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  Vortrag zum 20.Jahrestag des Mauerfalls  
     
 

09.11.2009:
Von der biblischen Vision zur friedlichen Revolution:



Wie kann ein Bibelwort eine Diktatur ins Wanken und schließlich zu Fall bringen? Mit dieser spannenden Frage beschäftigten sich die Besucher der Christuskirche, die der Einladung der Evangelischen Kirchengemeinde und der Stadt Burgkunstadt gefolgt waren, um in einem festlich-besinnlichen Rahmen der Ereignisse rund um den Mauerfall vor 20 Jahren zu gedenken. Dass mit dem ehemaligen sächsischen Oberlandeskirchenrat Harald Bretschneider ein Wegbereiter dieser friedlichen Revolution zu Gast war, bereicherte die Gedenkveranstaltung auf eine tief beeindruckende Art und Weise. In seinem Vortrag „Von der biblischen Vision zur friedlichen Revolution“ vermittelte Bretschneider nämlich sehr persönliche Einsichten in das Leben in der ehemaligen DDR und beschrieb den langen Weg bis zur Grenzöffnung, der nach den Aussagen Bretschneiders erst auf der Grundlage des biblischen Friedenszeugnisses möglich war. Die Besucher gewannen somit abseits aller Nachrichten und Fernsehdokumentationen einen ganz neuen, weil authentischen Blick auf eines der wichtigsten Kapitel der deutschen Geschichte. Dass das Datum des 9. Novembers aber auf zweierlei Arten Teil dieser Geschichte ist, wurde am Montagabend ebenfalls thematisiert. Denn Pfarrer Heinz Geyer erinnerte an die Gräueltaten des Pogroms vor 71 Jahren, als auch die Burgkunstadter Synagoge geschändet und schließlich zerstört wurde. „Selbst im Zeichen der großen Freude über den Mauerfall dürfen diese dunklen Stunden niemals verschwiegen werden“, so Pfarrer Geyer. Er ermutigte die Versammelten, diese Last vor Gott zu bringen. Gemeinsam wurden Auszüge aus dem Psalm 22 gebetet. Die Christuskirche wurde anschließend unter den Klängen des jüdischen Liedes „Hava nagila“, von Susi Schliefer und Franziska Fleischmann an der Querflöte vorgetragen, und somit im Gedenken der Opfer mit Kerzenschein erfüllt. Bürgermeister Heinz Petterich berichtete anschließend von seinen persönlichen Erinnerungen an die Tage der Grenzöffnung und von den Menschenscharen, die auch im Burgkunstadter Rathaus das damalige Begrüßungsgeld entgegen nahmen. Die Ereignisse des 9. Novembers beobachtete er gespannt am Fernsehapparat. Aufgrund seiner eigenen Geschichte und der damit verbundenen Verwicklung in den Friedensprozess in der ehemaligen DDR offenbarte im Anschluss daran Harald Bretschneider in seinem rund 90minütigen Vortrag den Einblick eines echten Zeitzeugen in diese historischen Ereignisse. „Mir ist es heute wichtiger bei Ihnen in Burgkunstadt als bei Bundeskanzlerin Merkel in Berlin zu sein.“ Mit diesen ehrlich gemeinten Worten begrüßte der sächsische Oberlandeskirchenrat i.R. die Anwesenden. Tatsächlich hatte Bertschneider, der damals als Landesjugendpfarrer in Dresden ein wichtiger Teil der historischen Bewegung in der ehemaligen DDR gewesen war, eine Einladung der Bundeskanzlerin zur Teilnahme an den offiziellen Feierlichkeiten in Berlin ausgeschlagen. „Da ich die Einladung aus Burgkunstadt früher erhalten hatte und es mir am Herzen liegt, meine Erfahrungen im Gespräch an Sie weiterzugeben, bin ich heute hier“, begründete Bretschneider unter dem dankbaren Applaus der Anwesenden seine Entscheidung. Und tatsächlich ermöglichten die persönlichen Impressionen Bretschneiders ein für viele Besucher neues Verständnis des Mauerfalls. Prägend für sein gesamtes Leben war für Harald Bretschneider das Jahr 1945, als sein Elternhaus in Dresden dem Feuersturm der Alliierten zum Opfer fiel. Als er damals aus den Trümmern des Hauses gezogen wurde, war diese Rettung zugleich Impuls für sein weiteres Leben. „Zu diesem Zeitpunkt spürte ich in mir die Verpflichtung, alles zu tun, damit sich dies nicht wiederholt“, erklärte der Referent. Im Schatten der immer stärker wachsenden technologischen wie ideologischen Militarisierung in der DDR wurde er zum überzeugten Pazifisten. Er verweigerte den Kriegsdienst in der DDR und studierte nach einer Lehre zum Zimmermann Theologie, was seinen Einsatz für die Friedensbewegung in der DDR noch verstärkte. Seinen festen Platz in den Geschichtsbüchern erhält Bretschneider 1979, als er zum Landesjugendpfarrer gewählt und von der Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens berufen wird. Durch den engen Kontakt zu jungen Menschen verstärkte er seine Bemühungen um das „Friedenschaffen ohne Waffen“ – und dies stets auf der Grundlage des biblischen Wortes. Im Herbst 1980 schuf er und initiierte die Durchführung der ersten Friedensdekade in der DDR im November 1980. „Diese Friedensdekade entwickelte sich zu einem wichtigen Teil der gesamten Friedensbewegung“, so Bretschneider. Mit den Jahren wurde Bretschneider somit zu einem der einflussreichsten Aktiven in der kirchlichen Friedensarbeit, die durch das von ihm geschaffene Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ ein wichtiges äußeres Zeichen erhielt. „Die Unangreifbarkeit dieses biblischen Wortes war die Grundlage des friedlichen Protestes“, erklärte der Referent. Mit insgesamt 600.000 verteilten Lesezeichen und Aufnähern erzielte das Symbol eine enorme gesellschaftliche Wirkung, die wenig später viele Repressalien für die Anhänger der Friedensbewegung nach sich zog. „Es ist für mich noch heute beeindruckend, wie die jungen Menschen dieses Zeichen dennoch trugen und dem biblischen Friedensgruß somit Hände und Füße gaben“, erläuterte Bretschneider bewegt. Und genau dieses Bibelwort wirkte bis 1989 fort und wurde schließlich in dem Ausruf „Keine Gewalt!“ das Schlagwort der Wende. „Die Erklärung für das Ausbleiben des zu erwartenden Gegenschlags lässt sich ebenfalls in der Bibel finden: Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen“, erklärte Bretschneider und fügte abschließend hinzu: „Die Inkarnation des biblischen Wortes und die damit verbundene Einmischung des Glaubens brachten im Schutz der Kirche den Mut zur Zivilcourage und ebneten somit den Weg zur Revolution der Kerzen.“



 

Im Anschluss an den Vortrag nutzten die Besucher noch ausgiebig die Gelegenheit, um im Gemeindehaus und im persönlichen Gespräch mit Harald Bretschneider noch mehr vom Leben des Wegbereiters der friedlichen Revolution zu erfahren.


 
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