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  Flucht - Teil unseres Lebens?!  
     
  11.12.2016:
Eröffnung der Ausstellung im Gemeindehaus



Von Skulpturen aus Holz oder Muschelkalk und Bleistift-Zeichnungen, Öl- und Acryl-Gemälden auf Leinwand bis hin zu kreativem Modeschmuck – all dies bietet die Gemeinschaftsausstellung „ Flucht – ein Teil unseres Lebens?!“, die am Sonntag von der Ersten Bürgermeisterin, Christine Frieß (links), und Gastgeber Pfarrer Heinz Geyer (2. von links) im Gemeindehaus offiziell eröffnet wurde.

Es ist ein auf den ersten Blick verstörendes Bild. Ein Baby liegt an der nackten Brust der Mutter und trinkt von ihr. Die Mutter beugt sich dem Kind entgegen – aber nicht nur aus Fürsorge. Die Hände der Mutter sind hinter ihrem Rücken gefesselt. Die Mutter selbst ist abgemagert. Aber erst beim Blick auf den Titel dieser kleinen Radierung stockt dem Betrachter der Atem: Er lautet „Heimat“.

Der Künstler, der dieses Bild geschaffen hat, heißt Ayman Khaled Habib. Interessiert beobachtet er die Reaktionen der Betrachter. Ayman ist 19 Jahre alt, kommt aus Syrien und hat zusammen mit weiteren Künstlern soeben im Evangelischen Gemeindehaus seine erste Kunstausstellung eröffnet. Sie trägt den Titel „Flucht – ein Teil unseres Lebens?!“ und ist eine Gemeinschaftsausstellung von Künstlern mit Flucht- und Migrationshintergrund.

Sehr viele Kunstinteressierte und Wegbegleiter der Künstlerinnen und Künstler sind der Einladung der Kirchengemeinde zur Vernissage und somit zur offiziellen Eröffnung der Ausstellung gefolgt. Sie alle zeigen sich tief beeindruckt und erleben so vor Ort mit, wie mithilfe der Kunst aus einem Fragezeichen ein Ausrufezeichen wird. Denn die im Titel der Ausstellung formulierte Frage entpuppt sich bei näherer Betrachtung der eindrucks- und wirkungsvollen Kunstausstellung als ein eindeutiges Statement: Die Formen und Gründe einer Flucht mögen unterschiedlich sein, aber niemand ist in seinem Leben frei von Flucht. Jeder muss sich diesem Thema einmal stellen. Flucht ist ein Teil unseres Lebens - ob als aktiv Betroffener oder passiv Betrachtender. Das ist die Kernbotschaft der Ausstellung.

Burgkunstadts erste Bürgermeistern Christine Fries traf deshalb bei der Ausstellungseröffnung den richtigen Ton, als sie in ihrer kurzen Ansprache auf ein Goethe-Zitat verwies: „Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen“ – auch das hätte ein passender Titel für diese Ausstellung sein können. Diesen Eindruck des Unaussprechlichen vermittelt zum Beispiel auch Aymans Bild von der stillenden und zugleich gefesselten Mutter. Was muss passiert sein, damit man Heimat auf diese Weise versteht und darstellt? Die Suche nach den Antworten auf diese Fragen macht den ganz besonderen Charakter dieser eindrucksvollen Ausstellung aus. Doch die Ausstellung beschränkt sich nicht allein auf die aktuelle Flüchtlingssituation.

Flucht gab es beispielsweise auch nach dem 2. Weltkrieg sowie vor und nach dem Fall der Mauer – auch diesem Umstand trägt die Ausstellung Rechnung. Die in Lichtenfels lebende Kristina Kanaan ist zwar in München geboren, ihre Eltern stammen jedoch aus Ungarn. Dieser Teil ihrer Biographie prägt natürlich auch die Skulpturen und Bilder der studierten und mehrfach ausgezeichneten Bildhauerin. Und auch für den Altenkunstadter Ernst Müller ist das Thema Flucht nichts Fremdes. Die Familienmitglieder des heute 70-Jährigen sind als sogenannte „Volksdeutsche“ aus dem ehemaligen Jugoslawien über viele Stationen nach Deutschland geflohen. Auch deshalb lässt ihn die aktuelle Flüchtlingssituation nicht kalt. Als er 2015 die ersten Fernsehbilder sieht, auf denen Flüchtlinge verzweifelt den Weg über das Mittelmeer nach Europa suchen, treibt es den passionierten Holzbildhauer zu seinem Werkzeug. Das Ergebnis: eindrucksvolle Reliefs mit Titeln wie „Flucht durch ein Meer von Tränen“ oder „Bootsflüchtlinge“. Daneben finden sich Bleistift-Zeichnungen von Hashem Dini aus Eritrea. Im Gegensatz zu Ayman Khaled Habib, der in Aleppo ein Semester Kunst studiert hat und dieses Studium in Deutschland gerne fortsetzen würde, ist Hashem aus Eritrea ein Kunst-Laie – aber auch seine Zeichnungen eröffnen einen ganz persönlichen Einblick in seine Erfahrungen und Gedanken.

Die Sehnsucht nach Geborgenheit inmitten von Krieg und Zerstörung hat mit starkem künstlerischem Ausdruck der 53jährige Maler Eissa Moussa aus Damaskus, Syrien, in anrührenden, bewegenden Szenen gestaltet.

Großen Raum nehmen die großen Öl- und Acrylgemälde der 41jährigen Leila Shokrgozar ein. Die Iranerin studierte Kunst-Design in ihrem Heimatland, und neben ihrem technischen Können begeistert die Tiefgründigkeit ihrer Bilder. „Das Mädchen ohne Vaterland“ zeigt die innere Verzweiflung über den Verlust der alten Heimat - nicht weit entfernt hängt das Gemälde „Zum Licht“, auf dem ein Fischschwarm nach oben Richtung Licht entschwindet und ein Gefühl von Hoffnung vermittelt. Verzweiflung und Hoffnung – zwei scheinbare Gegensätze, die aber beim Thema „Flucht“ Seite an Seite stehen. „Leila ist ein unglaublich tiefgründiger Mensch, der sehr viel nachdenkt“, erklärt Angelika Geyer. Die Ehrenamtskoordinatorin in der Flüchtlingsarbeit des Diakonischen Werkes im Dekanat Michelau ist hauptverantwortlich für die Idee und die Umsetzung der Ausstellung. Wie sehr ihr die Menschen und die Ausstellung am Herzen liegen, merkt man ihr bei den Eröffnungsreden deutlich an. „Die Ausstellung ist das Ergebnis von viel Arbeit, sehr vielen Gesprächen und eines sehr intensiven Zusammenlebens“, erklärte Angelika Geyer stolz und zufrieden über die großartige Resonanz.

Die Ausstellung bietet neben all den nachdenklich stimmenden aber auch heitere Momente. Auf Begeisterung trifft beispielsweise die Handwerkskunst von Elham Rahmani. Aus Alltagsgegenständen, wie Löffeln und Fahrradketten, formt der aus Afghanistan geflüchtete junge Mann kunstvollen und kreativen Schmuck. Seine handwerklichen Fähigkeiten und sein Blick für die Details sind beeindruckend; seine Idee, Kunst aus alten Autoreifen entstehen zu lassen, hat ihn bereits über die Stadtgrenzen Weismains bekannt gemacht.

Der aber vielleicht wichtigste Beitrag ist im Grunde genommen gar nicht Teil der Ausstellung. Und dennoch liefert die siebenjährige Maja aus Burgkunstadt mit ihrem Aquarell den entscheidenden Kontrastpunkt, der gleichsam wie ein Orientierungspunkt über der Ausstellung schwebt. Majas Bild trägt den Titel „Leben“ und zeigt einen farbenfrohen Regenbogen, der über ein friedliches Zuhause gespannt ist. „Ich bin sehr froh, dass Maja auf mich zukam und mir das Bild vorstellte“, erinnert sich auch Angelika Geyer an den ersten Eindruck des Bildes, der sie dazu bewog, Majas Bild spontan Teil der Ausstellung werden zu lassen. Und Majas Bild spendet somit auch an diesem Ort die Hoffnung, ohne die eine Flucht niemals zum Ziel führen kann.





Das Interesse an der Ausstellung war bereits bei der Vernissage enorm. Gern nutzten die Künstlerinnen und Künstler, wie hier Leila Shokragozar (links), die Gelegenheit, um den Besuchern persönlich einen Blick in die Entstehungsgeschichte ihrer bemerkenswerten Kunst zu gewähren.

 
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